Nauen - Weitere WG für Demenzkranke

Foto von Tanja M. Marotzke

Eine weitere Wohngemeinschaft für Demenzkranke mit insgesamt zehn Plätzen ist in der Nauener Mittelstraße entstanden. Am Freitag werden dort die ersten Bewohner einziehen, die somit in ihrem gewohnten Lebensumfeld bleiben können. Es handelt sich erneut um ein Projekt der Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH.

Nauen „Wir haben aufs richtige Pferd gesetzt.“ Werner Futterlieb, Geschäftsführer der Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH aus Nauen, fühlt sich bestätigt. Wieder einmal. Auch für die neue Wohngemeinschaft für Demenzkranke und weitere Menschen mit Unterstützungsbedarf waren die insgesamt zehn Plätze relativ schnell vergeben, ohne dass zuvor große Werbung dafür gemacht werden musste. „Der Bedarf dafür ist sehr groß“, so Futterlieb am Dienstag bei der offiziellen Übergabe der neuen Wohnung.

Am kommenden Freitag ziehen die ersten Mieter in die Räume über dem früheren Kaufhaus in der Nauener Mittelstraße ein. Unter ihnen sind auch die Großeltern von Ines Schöpke. Gemeinsam mit ihrer Mutter Christa Schöpke schaute sie sich die neu entstandenen Räume an. „Sie haben das sehr schön gemacht. Meinen Großeltern steht hier ein Doppelzimmer zur Verfügung, verbunden durch eine Tür. So können sie zusammen wohnen“, sagt sie. Ein Zimmer soll nun als Wohn- das andere als Schlafraum eingerichtet werden. „Das ist dann wie zu Hause.“ Dort leben die Großeltern bisher in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Das schöne große Buffet kann zwar nicht im Wohnraum Platz finden, zieht aber trotzdem mit um und steht künftig im Gemeinschaftsraum der neuen Wohngemeinschaft.

Auch Ulrich Wiesemann freut sich schon auf sein neues Zuhause. Der 58-Jährige Nauener hatte einen Schlaganfall und kommt nun allein nicht mehr klar. Vor allem die steile Treppe bei ihm zu Hause macht ihm Probleme. In den neuen Wohnräumen in der Mittelstraße hingegen ist alles barrierefrei. Sogar einen Fahrstuhl gibt es, um in die dritte Etage zu gelangen.

„Wir praktizieren das mit den Wohngemeinschaften seit zwei Jahren“, sagt Geschäftsführer Futterlieb. Das Prinzip laute ambulant vor stationär. „Hier sind wir mitten in der Stadt. Die Menschen müssen nicht wegziehen, bleiben in ihrem gewohnten Umfeld und behalten ihre sozialen Kontakte.“ Wie auch in den anderen Einrichtungen – etwa in Groß Behnitz oder Friesack – gelte die Prämisse der geteilten Verantwortung. So sind die Angehörigen der Bewohner aufgerufen, sich einzubringen. Genau das wollen Ines und Christa Schöpke. „Wir werden beispielsweise auch am Wochenende beim Kochen oder Backen mithelfen“, sagt die Enkelin der künftigen Bewohner.

Insgesamt stehen den zehn Bewohnern 300 Quadratmeter zur Verfügung, darunter anteilig auch die Gemeinschaftsräume. Es gibt eine große Küche und drei Bäder. In einem davon wird die Badewanne mit einer Hebeanlage ausgestattet.

Das Besondere der Wohnung ist, dass sie in einem historischen Gebäude entstanden ist. Dort, wo die neuen Mieter künftig ihr Domizil haben, befand sich einst die Wohnung der Familie von Emil Hirsch, der das Kaufhaus 1908 errichten ließ. Wie Investor Uwe Geißler sagte, habe Hirsch bis 1928 dort gelebt. Die Zimmer der heutigen Wohngemeinschaft dienten damals unter anderem als Schlafräume für Hirsch, seine Frau und die Kinder. „Er hat mit großem Weitblick so gebaut, dass es für die heutige Nutzung passt“, meinte Geisler schmunzelnd. Denn schon damals wurden der Flur und die Türrahmen so breit ausgelegt, dass man sie jetzt problemlos mit dem Rollstuhl nutzen kann.

Als das Gemeinschaftswerk an ihn herangetreten war mit der Frage, ob eine Wohngemeinschaft möglich wäre, stimmten Geisler und sein Geschäftspartner Mischa Klemm zu. Geisler kennt so etwas aus der eigenen Familie. Allerdings musste die Wohnung, die schon für eine normale Nutzung fertiggestellt war, dafür noch einmal angepasst werden. So wurden die Bäder umgebaut und der Parkettfußboden verschwand unter Linoleum.

Als Präsenzkraft wird Christine Niedzwedzki den Bewohnern als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen. Mit der Pflege an sich und mit Medizin hat sie nichts zu tun, „ich begleite den Alltag“, sagt sie. So verwaltet sie das Wirtschaftsgeld, geht einkaufen, kümmert sich um die Beschäftigung. 33 Jahre war sie Verkäuferin, hatte dann ein Praktikum im „Haus Nauen“ des Gemeinschaftswerkes gemacht, fand aber keine Stelle. „Als ich vor Kurzem hörte, dass eine WG geplant ist, habe ich mich beworben“, sagt die Frau, die drei Kinder großgezogen hat und somit das Wirtschaften gewohnt ist.

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Text von Andreas Kaatz

Foto von Tanja M. Marotzke

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