Nauen - Damit man auch im hohen Alter mobil bleibt

Die meisten älteren Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause leben. Das gelingt aber nur, wenn sie auch möglichst lange selbstständig bleiben. Aus dem Grunde werden ehrenamtliche Betreuer darin ausgebildet, mit den älteren Menschen sportliche Übungen zu absolvieren, damit sie sich im Alltag sicherer bewegen können.

Nauen Dreimal die Woche ist Stephanie Conrad in der Wohngemeinschaft. Dann kümmert sich die 36-Jährige um die älteren Menschen dort, singt mit ihnen, liest ihnen vor oder macht Bewegungsübungen mit Fingern. Aber auch sonst spielt das Thema Bewegung in Verbindung mit Gleichgewichtsübungen bei ihren ehrenamtlichen Besuchen immer eine Rolle. „Eine Bewohnerin könnte schon ohne Rollator durch die WG gehen, aber sie traut sich oft nicht“, sagt die ehrenamtliche Betreuerin. Doch dann steht Stephanie Conrad ihr zur Seite, macht ihr Mut und es funktioniert. „Es geht darum, dass sie die Sicherheit gewinnt, dass sie nicht fällt.“

Genau diese Sicherheit fehlt vielen Menschen im hohen Alter. Also machen sie aus Furcht häufig gar nichts. Diese Erfahrung hat auch Ingrid Witzsche von der Akademie 2. Lebenhälfte gemacht. „Wir möchten das Thema Bewegung stärker in die Öffentlichkeit bringen. Denn die Zahl der über 80-Jährigen nimmt immer mehr zu und alle wollen möglichst lange zu Hause bleiben“, sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Akademie. Der Förderverein bietet deshalb zusammen mit der AOK Nordost Schulungen zum Thema „Lange mobil und sicher zu Hause“ an.

Stephanie Conrad gehört zu den ehrenamtliche Betreuerinnen des Gemeinschaftswerkes Wohnen und Pflege, die jetzt an vier Tagen viel Neues zur Bewegungsförderung gelernt haben. Die Palette reicht von medizinischen Grundlagen über die Wirkung von Tanz und Bewegungsspielen sowie Spaziergängen bis hin zu Motivation und Sturzprävention. Letzteres zu fördern, hat sich insbesondere die AOK auf die Fahnen geschrieben. „Man muss etwas tun, um die Muskulatur zu entwickeln, damit die Sturzgefahr vermindert wird“, sagt Alexandra Springer-Freytag. Gerade für jene, die nicht die Möglichkeit haben, in einen Sportverein zu gehen, sei die Bewegung unter Anleitung von Betreuern eine gute Lösung.

Eine von ihnen ist auch Bärbel Puls-Arndt, die eine 91-Jährige betreut, die noch zu Hause lebt und die vor Kurzem erst gestürzt ist. „Da kommen mir die neuen Kenntnisse zur Sturzprävention zugute. Wir haben bei der Schulung insgesamt viele Anregungen erhalten und viel Neues gelernt, das wir jetzt gut anwenden können“, sagt sie.

„Viele Hochaltrige leben allein zu Hause, sind pflegebedürftig und dement. Uns geht es darum zu zeigen, dass man sich im hohen Alter noch viel bewegen kann“, sagt Ingrid Witzsche. Sie weiß, dass das Wohlbefinden der alten Leute auch davon abhängt, dass sie so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. „Wenn sie umziehen müssen, etwa ins Heim, dann ist das Wohlbefinden nicht mehr so gut, weil die Kontakte fehlen.“ Deshalb sollten sie auch früh anfangen mit Bewegung, denn sonst gewinnt die Bequemlichkeit die Oberhand. „Je mehr etwas weh tut, umso geringer ist die Motivation, etwas zu tun. Und wer schon mal gestürzt ist, wird es künftig vermeiden, sich zu bewegen“, so Ingrid Witzsche. Doch das führe wiederum dazu, dass es immer schwerer fällt, den Alltag zu bewältigen wie das Abwaschen oder Tisch decken.

Ansprechpartnerin für die derzeit 15 ehrenamtlichen Betreuer ist beim Gemeinschaftswerk Christin Kawan. „Einmal im Monat trifft sich die Gruppe zum Helferkreis“, sagt sie. Dann wird sich austauscht, werden Probleme besprochen und auch Fortbildungen gemacht. „Wir brauchen aber auch jederzeit weitere Ehrenamtler, die hier mitmachen wollen“, lädt die Mitarbeiterin ein.

Für Helga Born jedenfalls war es eine gute Entscheidung, Betreuerin zu werden. Sie hat 49 Jahre im Schichtdienst gearbeitet, war voll ausgelastet. „Als dann die Rentenzeit begann, habe ich gedacht: Ich muss etwas machen, sonst passiert mit mir etwas“, sagt die heute 70-Jährige. Anfangs war sie im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes anderthalb Jahre tätig, jetzt ist sie es als Ehrenamtliche.

 

http://www.maz-online.de/Lokales/Havelland/Neues-Wohnen-im-ehemaligen-Kuhstall

Text von Andreas Kaatz

Foto von Andreas Kaatz

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