Ketzin - Haus der Begegnung wird Sozialstation

Ketzin/Havel – Das Haus der Begegnung wird ab Januar 2017 nicht mehr durch die Stadt Ketzin/Havel betrieben, informierte am Montag Bürgermeister Bernd Lück in der Stadtverordnetenversammlung. Als Gründe nannte er Personalprobleme und das jährliche Defizit bei der Betreibung des Hauses. Mieter soll die Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH werden.

Einer Interessenbekundung des Geschäftsführers Werner Futterlieb zufolge will das Gemeinschaftswerk die Räume ausschließlich als Sozialstation nutzen und von hier aus die ambulanten, pflegerischen und begleitenden Dienste für Ketzin/Havel und die Ortsteile organisieren. Wie Werner Futterlieb erklärte, wären die Räume im jetzigen Haus der Begegnung künftig auch Anlaufpunkt für Beratungen rund um die Themen Pflege und Demenz. Für die Versorgung der älteren Bürger mit Mittagessen und die Begegnungen danach stünden künftig die Räume der Sozialstation in der Plantagenstraße 21 (ehemals Blumenladen) zur Verfügung.

Diese Information löste in der Stadtverordnetenversammlung am Montag heftige Reaktionen aus. „Das ist ein Schock“, sagte Doris Radtke (SPD-Fraktion). Es könne doch nicht möglich sein, in Ketzin alles zu schließen. Im Haus der Begegnung hätten im vergangenen Jahr 134 Veranstaltungen stattgefunden. „So geht das nicht. Ohne Konzeption geht hier gar nichts“, betonte sie und forderte eine Beratung des Vorhabens in den Ausschüssen. Desweiteren merkte sie an, dass im Haus 2 der Stadtverwaltung genug Räume leer stünden. „Ich muss Doris Radtke in allen Punkten zustimmen“, schloss sich Gabriele Bieber-Langenströher (Fraktion Die LINKE/Bündnis 90/Die Grünen) an. Wenn das Haus zu teuer ist, hätte man prüfen müssen, wo etwas zu verbessern sei. So ein soziales Haus, das ein Treffpunkt für alle ist, mit einem Federstrich einfach wegzuwischen, wäre undemokratisch, sagte sie.

Renate Donat von der gleichen Fraktion merkte an, dass in der Stadt viele an Demenz erkrankte Einwohner auf eine Betreuung warten. Sie forderte aber auch, dass alles das, was derzeitig im Haus der Begegnung stattfindet, weitergeführt werden müsse. Uneingeschränkte Zustimmung zu diesem Vorhaben wurde an diesem Abend nicht laut. „Ich verstehe die Aufregung absolut nicht“, betonte der Bürgermeister nach der heftigen Debatte. „Wir schließen das Haus nicht, sondern vermieten es. Dafür liegt schriftlich die Interessenbekundung des Gemeinschaftswerkes vor“, sagte er und merkte an, dass in der Stadt ausreichend Räumlichkeiten für die bis jetzt im Haus der Begegnung stattgefundenen Aktivitäten zur Verfügung stünden, die somit uneingeschränkt weitergeführt werden können.

Evelin Sens (Die LINKE/Bündnis 90/Die Grünen): „Die Leute wissen bisher nicht, wohin sie künftig gehen sollen. Das müssen sie ihnen sagen.“ Einzelheiten dazu wurden am Montag nicht mitgeteilt, auch wurde kein Beschluss gefasst. Wie sich die finanzielle Situation durch die Vermietung des Hauses der Begegnung für die Stadt verändert, blieb auch offen. Immerhin ist von jährlich knapp 70 000 Euro die Rede.

http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1537694

Text/Foto von Wolfgang Balzer

Schreibe einen Kommentar