Die Demenz-WG als alternative Wohnform

Über alternative Wohnformen wie die Demenz-WG sprach am Freitag Pflegeexperte Werner Futterlieb von den Gemeinschaftswerken Nauen in Wittstock. Sein Vortrag markierte den Abschluss einer Veranstaltungsreihe für Angehörige Demenzkranker. Die kam bei den Leuten so gut an, dass sie die Volkssolidarität im kommenden Frühling wiederholen will.

Wittstock – Wenn häusliche Pflege durch Angehörige nicht mehr möglich ist, gibt es neben dem betreuten Wohnen oder einem Heim noch andere mögliche Wohnformen für Demenzkranke. Eine ist zum Beispiel die Wohngemeinschaft für Betroffene. Die Volkssolidarität Prignitz-Ruppin betreibt acht solcher WGen in Perleberg, Kyritz, Neuruppin und Wittstock.

Werner Futterlieb von den Gemeinschaftswerken Nauen hielt am Freitag einen Vortrag in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in Wittstock über solche Wohnformen und berichtete, wie sein Verein als Pflegedienstleister bereits im Havelland Projekte realisiert.

Die Veranstaltung am Freitag markierte zugleich den Schluss der Vortragsreihe „Hilfe beim Helfen“, welche die Volkssolidarität in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse Barmer und der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg angeboten hatte. Vom 8. September an gab es acht Veranstaltungen, die jeden Freitag stattfanden.

In seinem Vortrag stellte Werner Futterlieb klar, dass ihm kleinere Wohngruppen am sinnvollsten erscheinen. „Es muss ein Weg sein, den man individuell begleiten kann“, sagte er. Wichtig sei auch, die Betroffenen so lange wie möglich zu fördern. Statt sie nur Weihnachtssterne basteln zu lassen, sollten sie sinnvollen Tätigkeiten wie der Fahrradreparatur nachgehen – natürlich nicht gegen den Willen und die Lust des Jeweiligen.

Statt die Menschen nur zu beschäftigen, solle man sie am Leben teilheben lassen. Werner Futterlieb kritisierte auch den Umstand, dass viele Menschen lieber mit Angehörigen statt mit den Betroffenen selbst sprechen würden. Klar sei aber auch, dass weiterführende Schritte, wie der Umzug in eine Demenz-WG, zwar mit den Betroffenen besprochen werden sollten, die Entscheidung aber oft bei den Angehörigen liegen würde. „Die Verantwortung nimmt Ihnen niemand ab“, erklärte der Pflegeexperte. Nicht jeder Betroffene sei für Wohngemeinschaften geeignet, manchmal führe auch am Heim kein Weg vorbei, wenn ein gewisses Stadium der Krankheit erreicht ist. Gleichzeitig fühlten sich noch „orientierte“ Menschen in einer Demenz-WG nicht richtig aufgehoben, ging Werner Futterleib auf den Einzug von Paaren in eine solche Wohnform ein, wenn ein Partner nicht oder kaum dement ist. „Gut ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagte Werner Futterlieb.

Die Volkssolidarität-Sozialarbeiterin Elke Bröcker berichtete daraufhin von der Wittstocker Demenz-WG, die ihr Verband in der Rheinsberger Straße betreut, die aber ursprünglich mal von Angehörigen gegründet wurde und bis heute mitgestaltet wird. „Dabei ist es sinnvoll, auch außenstehende Moderatoren einzusetzen“, erklärte Werner Futterlieb. Denn solche Angehörigengremien änderten nach dem Tod oder Auszug der Erkrankten oft ihre Konstellationen. Insbesondere auf dem Land gibt es dem Pflegeexperten zufolge nach wie vor große Probleme bei der Unterbringung demenzkranker und pflegebedürftiger Personen. Mancherorts, wie bei ihm im Havelland, diene ein altes Pfarrhaus als WG-Stätte. „Hier muss die Politik ein Stück weit mitgestalten“, sagte Futterlieb.

Elke Bröcker zog ein positives Fazit der Vortragsreihe. Sie soll wahrscheinlich Ende März 2018, diesmal zwischen 17 und 19 Uhr auch für Berufstätige besuchbar, wiederholt werden.

Text von Christian Bark

Foto von Christian Bark

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